Pavel Feinstein auf den Spuren der Altmeister

Pavel Feinstein auf den Spuren der Altmeister

Tagesspiegel, 09.02.2013

In der Obstschale kullert eine Weintraube, daneben stehen Pinsel, Palette und Weinglas. So weit das Atelierstillleben. Hinter der Staffelei aber hockt ein Schimpanse. Den Pinsel fest in der Hand, scheint er sein Modell zu fixieren: den Betrachter. Bei Pavel Feinstein trägt der Affe Turban, setzt Akupunkturnadeln, schlüpft in die Rolle des Modells oder in die des Künstlers. Der 1960 in Moskau geborene Maler schwelgt in der Galerie Lux (Südwestkorso 11a, bis 16.2.) in barocker Sinn- und Farbenlust – gerade so, als hätte es die Moderne nie gegeben.

Unvergleichlich akribisch und mit malerischer Delikatesse moduliert er weibliche Körper, verleiht den Stoffen seidigen Glanz, taucht Szenerien in ein geheimnisvolles Licht. Dabei ist sein virtuoser Akademismus nicht der strengen russischen Schule geschuldet. Studiert hat Feinstein Anfang der 80er Jahre an der Universität der Künste in Berlin. Der bewusst konservative Duktus als Gegenentwurf zu den Jungen Wilden? Die Konsequenz, mit der der Künstler sich gar nicht erst bemüht, den altmeisterlichen Sujets Zeitgenössisches überzustülpen, darf man schon kühn nennen. Einzige Ausnahme ist der pinkfarbene Corbusier-Sessel, in dem der Maler-Affe vor dem Bildnis der Infantin Margareta sitzt. Zu sehen in der Parallelschau der RAR Galerie (Knesebeckstraße 90, bis 12.2.), die unter dem Titel „Velázquez“ das Figurenarsenal des spanischen Hofmalers dekliniert. Hier erweist sich Feinstein auch als versierter Zeichner. Doch wenn er den Zwergen und Narren des Vorbildes seine Primaten beigesellt, bekommt die Symbolik einen zwiespältigen Hautgout.
Michaela Nolte